Popstars / X Factor / DSDS – Gesangspädagoge über die Seriösität der...

Popstars / X Factor / DSDS – Gesangspädagoge über die Seriösität der Castingshows

Castingshows wie Popstars, DSDS oder Das Supertalent gehören seit vielen Jahren zu den Quotenrennern im deutschen Unterhaltungsfernsehen. Hans-Ulrich Höfle, Dozent beim Augsburger Verein „Young Stage“, sprach in einem Interview über die Gefahren solcher Formate.

MUNICH, GERMANY - JUNE 17:  Candidates of the TV Show Popstars You & I celebrate during the official casting at the Alte Kongresshalle on June 17, 2009 in Munich, Germany.  (Photo by Alexander Hassenstein/Getty Images)

Im August starteten mit Popstars und X Factor gleich zwei Castingformate. Für die nächste DSDS-Staffel wird gerade gecastet und Das Supertalent wird auch noch in diesem Jahr gesucht. Allem Anschein nach sind solche Shows also bei den Zuschauern sehr beliebt und auch über den Zulauf von Talenten können sich die Macher der einzelnen Castingshow nicht beschweren.

Der Gesangspädagoge und Dozent Hans-Ulrich Höfle, welcher beim Augsburger Verein Young Stage Jugentliche für eine Karriere als Sänger, Tänzer oder Schauspieler unterrichtet, äußerte sich gegenüber der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“ teilweise kritisch, teilweise aber auch positiv über die einzelnen Castingformate, ihre Macher und die möglichen Auswirkungen auf die Musikszene.

Kommen junge Sänger zu Ihnen mit dem Wunsch, Superstar zu werden?

Höfle: Der überwiegende Anteil hat erst mal Lust, Musik zu machen und zu singen. Wobei ich der Meinung bin, dass man nicht nur dann singen kann, wenn man zu einem Gesangslehrer geht. Manche kommen zu uns mit einem sehr großen Polster an Talent. Aber für Feinheiten wie etwa die richtige Atemtechnik oder Körperarbeit ist Unterricht dann schon wichtig.

Schrecken die Kosten für Gesangsunterricht die jungen Leute ab und geben solchen Shows Zulauf?

Höfle: Nein, das glaube ich nicht. Natürlich bin ich nicht weltfremd und weiß, dass der Unterricht bezahlt werden muss. Aber man muss ja auch sehen, dass die Dozenten damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Und es gibt immer noch die Möglichkeit, in einem Ensemble zu singen oder in einen Chor zu gehen.

Können Trainer in Casting-Shows den Gesangsunterricht denn ersetzen?

Höfle: Es kommt auf die Sendung an. Die von Stefan Raab habe ich beispielsweise als seriös empfunden, andere wollen oft nur ausbeuten. Sie arbeiten teilweise mit sehr trügerischen Zielen, die innerhalb weniger Wochen nicht zu schaffen sind. Letztendlich zeigt sich doch, dass von den Teilnehmern kaum einer eine langfristige musikalische Karriere hat.

Wie erklären Sie sich das?

Höfle: Bei dem steinigen Weg, den man ohne Casting-Shows im Musikgeschäft nach oben gehen muss, findet eine Selektion statt. Wenn jemand über Jahre von den Hörern nach oben getragen wird, ist das der interessantere Weg. Er hat mehr Bestand, als von einer Jury ausgesucht zu werden. Die Hörer entscheiden, welche Musik sie kaufen wollen.

Geht von solchen Shows eine Gefahr für die Teilnehmer aus?

Höfle: Ich halte es für einen Wahnsinn, wie Menschen da brüskiert werden, aber sie setzen sich dem ja auch selbst aus. Wer es unbeschadet übersteht, macht sicherlich eine tolle Erfahrung.

Wundert Sie die Vielzahl solcher Formate?

Höfle: Dieser Voyeurismus trifft anscheinend den Nerv der Zuschauer. Ich war allerdings überrascht, dass es mit X-Factor noch eine Sendung mehr gibt. Das Niveau lässt jedoch mit der gestiegenen Anzahl der Sendungen nach. Also nicht der Teilnehmer, sondern derer, die sie machen. Doch seriöse Formate, wie das von Raab, gefallen mir.

Was finden Sie daran positiv?

Höfle: Was bei Raab herauskam, fand ich recht gut, auch wenn ich Lena nicht als Sängerin betrachte. Sie hat keine Technik, aber viel Charisma. Das gefällt den Leuten.

Schadet die Castingbegeisterung der Jugend der lokalen Musikszene?

Höfle: Nein, überhaupt nicht. Im Gegenteil, das befruchtet eher. Auch Karaoke finde ich positiv. Hauptsache die Leute singen, da bin ich nicht puristisch.

Ist es Zufall, dass aus dem nördlichen Landkreis noch niemand in so einer Sendung aufgefallen ist?

Höfle: In Aichach habe ich an der Musikschule einige Monate ein Projekt mit jungen Sängern durchgeführt. Ich habe das Gefühl, dass diesbezüglich in der Gegend relativ wenig los ist. Die Bandlandschaft kenne ich allerdings nicht.

Haben Sie einen Tipp, falls jemand von hier das doch versuchen möchte?

Höfle: Ich war oft entsetzt, wie schlecht vorbereitet da manche auf der Bühne stehen. Man muss es so gut können, dass man das Lied auch in stressigen Situationen wie im Schlaf abspulen kann. Ich weiß das aus eigener, leidvoller Erfahrung. Und man sollte sich ein seriöses Format suchen. Auf jeden Fall keines, bei dem Dieter Bohlen in der Jury sitzt.

Die nächste X Factor Folge kommt am kommenden Dienstag um 20.15 Uhr bei VOX. Popstars läuft immer Donnerstags um 20.15 Uhr auf ProSieben. Die neue Staffel von „Das Supertalent“ startet am 24. September. „Deutschland sucht den Superstar“ geht erst im Frühjahr 2011 wieder auf Sendung.