Bricht der kleine Sender VOX etwa mit der deutschen Casting-Tradition? Schaffen es die Fernsehmacher tatsächlich, in die Schmuddelecke „Ich werde ein Superstar“ Licht zu bringen und sie auszukehren? Ein halbwegs seriöses Suchen nach dem ultimativen „gewissen Etwas“ wäre den deutschen Zuschauern zu gönnen.
Catingshows in Deutschland haben ja an sich schon seit langem den Ruf, nicht ganz ehrlich zu sein und nicht so ganz rücksichtsvoll, oder anders ausgedrückt, human mit den Kandidaten umzugehen. Da wird bloß gestellt, niedergemacht und angeschrien, was das Zeug hält. Da werden Kandidaten in wohlgeschnittenen Trailern dazu gebracht, sich gegenseitig zu mobben und live aufeinander loszugehen. Das hebt die Stimmung vor dem Bildschirm und bringt Quote. Dabei ist es den Sendern oder den Verantwortlichen Lizenznehmern egal, was aus den „Gewinnern“ nach dem Wettbewerb wird.

Deutsche Radiostationen senden fast keine Musik von Gewinnern oder nachplatzierten Teilnehmern der Shows gewisser Sender. Kein Wunder also, dass die Konzertsäle auch direkt nach Ende der jeweiligen Staffeln nur halb gefüllt sind, oder Tourneen durch Deutschland ganz oder teilweise abgesagt werden müssen.
Muss ein Dieter Bohlen von „DSDS“ seine Kritik auf dem Niveau eines Schleifers auf dem Kasernenhof von sich geben, weil die Programmverantwortlichen glauben, nur so sind Zuschauerzahlen zu erreichen? Oder wie sagte Detlef „D!“ Soost bei „Popstars“ so schön:
„Ich sage es einmal und auch zweimal, wenn die dann nicht hören, dann wird’s eben etwas lauter.“
Und dabei heißt es im Grundgesetz:
„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
Gerade das haben die so genannten Vorsitzenden der allgewaltigen Jurys aber anscheinend in der Schule versäumt zu lernen. Sieht man vom Öffentlich Rechtlichen Fernsehen mal ab, müssen die Sender sich manchmal harte Worte, wie schmuddelig oder unter der Gürtellinie, anhören.
Schade eigentlich, denn scheinbar geht es auch anders. Es gibt nämlich jetzt immer Dienstags „X Factor“. Dort suchen sorgsam ausgewählte Jurymitglieder, wie Deutschlands Pop-Queen Sarah Connor, der bekannte Trompeter Till Brönner und last but not least, der erfolgreiche Musikproduzent George Glueck in drei Kategorien den oder die musikalisch herausragenden Künstler mit dem „gewissen Etwas“. Nichts anderes heißt, ins Deutsche übersetzt, der „X Factor“.
Bei den bereits in der letzten Woche bei RTL ausgestrahlten ersten beiden Sendungen rieb man sich teilweise die Augen und sperrte die Ohren ziemlich weit auf, denn was dort plötzlich geboten wurde, war eine neue Form von Castingshow. Eine ruhige und gut gelaunte Jury, die im Dienst der vortragenden Künstler zu stehen schien. Es gab kein unfreundliches Wort, nicht einmal dann, als gewisse Kandidaten die Jury ziemlich arrogant anmachten. Es gab keine vernichtenden Urteile, die von oben herab auf die Bühne geschleudert wurden und vor allem gab es offensichtlich keinen Regisseur, der Spaß daran hatte, sich am Versagen des Gros der Nichtmusikalischen zu ergötzen und dies auch noch Millionen Zuschauern im Abendprogramm auf den Flachbildschirm zu bringen.
Wenn es so weiter geht, kann man dem kleinen Privatsender VOX, der zwar an der Leine des großen Bruders RTL läuft, sich hier aber, wie es den Anschein hat, doch abzugrenzen weiß, nur Erfolg und viele Zuschauer wünschen. Immerhin läuft die Castingstaffel jeweils Dienstags um 20.15 Uhr noch bis 9. November. Damit sollte man doch etwas anfangen können, oder?
Auf jeden Fall denke ich, dass VOX die Konkurrenz von „Popstars“, die zeitgleich auch ungefähr bis November läuft, sicher hinter sich lassen könnte. Immerhin werden dort „nur“ Mädchen gesucht, um am Ende eine erfolglose Band zu kreieren, während bei „X Factor“ Sängerinnen und Sänger in zwei Altersklassen, sowie aus zwei oder mehr Personen bestehende Gruppen gecoacht und bis zum Sieg oder Ausscheiden betreut werden.
So frage ich mich doch zum Ende, was hat die beim Fernsehen bewogen, sich noch eine Castingshow anzutun? War es der Gedanke, auf das Erfolgsformat von ITV in England aufzuspringen, um noch mehr „Stars“ auf das Publikum loszulassen, oder Einschaltquoten zu toppen? Irgendwann gibt es nämlich keinen Nachwuchs mit entsprechenden Qualitäten mehr und der Zuschauer schaltet ab, statt ein.
Nein, ich denke, man hatte einfach den Gedanken, eine bessere Show zu bieten. Besser zu sein als die anderen. Dann steigt wohl, wenn man alles richtig macht, das künstlerische Niveau und die Quote kommt eigentlich auch von allein.
Das ist so wie mit dem Internet. Viele Informationen wiederholen sich und man wird manchmal müde, die zahlreichen Quellen, wie Foren, Info-Dienste oder Blogs zu besuchen, weil überall meist die gleichen Informationen zu finden sind. Und sehr oft ist die Qualität miserabel.
Manche von den Lesern wissen ja, dass wir hier als kleines Autorenteam unter dem Namen „Brina“ einige Artikel verfassen. Die Wahl fiel da nicht so ganz zufällig auf diese Plattform, sondern weil sie gut ist. Genau wie das X Factor Forum, das wir betreiben. Wenn ihr also über „X Factor“ gut informiert und unterhalten sein wollt, dann lest hier und besucht uns auch mal in unserem Forum. (b/h)
Glaubt ihr, dass „X Factor“ es schafft, besser zu sein, als die anderen Castingshows?
Werden die Sieger des Wettbewerbs anerkannt und haben damit dann Erfolg?
Was meint ihr? Sagt uns doch die Meinung in einem Kommentar.







