ESC 2012 – Erste Groß-Demo in Baku wird von Polizei beendet

ESC 2012 – Erste Groß-Demo in Baku wird von Polizei beendet

Im diesjährigen Austragungsland des Eurovision Song Contests steht es nicht gut um die Menschenrechte – die gesamte europäische Presse und auch wir berichteten schon darüber.

Und alleine diese dauernde Berichterstattung – ausgelöst durch den Eurovision Song Contest – scheint in Aserbaidschan schon etwas zu bewegen, oder zumindest den Anreiz zur Bewegung auslösen.

In dieser Woche hatte Thorsten Jungholt von welt.de den Außenminister Elmar Mammadyarov im Interview. Mammadyarov bezeichnete es als eine Ehre für sein Land den ESC 2012 auszurichten.

Dass Häuser für den ESC 2012 abgerissen würden, es  Probleme mit der Pressefreiheit oder es politische Gefangene gäbe, bestritt er auch auf direkte Nachfrage von Thorsten Jungholt vehement.
Aber zumindest die Veranstaltung ‚Singen für Demokratie‘ wird wohl erlaubt:

Ehrlich gesagt sehe ich keinen zusätzlichen Wert dieser Initiative. Der ESC ist vor allem eine kulturelle Veranstaltung, keine politische. Aber entsprechend dem Recht auf die freie Rede gibt es bei uns auch das Recht auf freien Gesang.
Also: Wenn jemand singen will, soll er singen. Das ist der Geist der Eurovision!“

Und am Samstag fand in Baku dann tatsächlich auch die erste genehmigte Demonstration seit mehr als zehn Jahren statt. Spiegel online berichtet folgendes dazu:

Die vom Komitee zum Schutz von Jugendrechten beantragte Demonstration begann ruhig und friedlich. In Sprech-Chören forderten die Bürger ‚Freiheit! Freiheit!‘ und viele Plakate forderten „Eurovision ohne politische Gefangene.“.

Die Polizei hielt sich im Hintergrund und die Organisatoren können sogar für bessere Bildungsmöglichkeiten, Rede- und Pressefreiheit sowie Korruptionsbekämpfung sprechen und Applaus erhalten.

Als dann die Band „Bulistan“ zum Abschluss der Kundgebung spielen soll, wird es unruhig. Als der Sänger der Band zu rappen beginnt, provoziert er mit Mittelfinger und obszönen Worten wohl das Publikum.

Sofort stürmt die Polizei die Bühne, der Sänger wird abgeführt und die Veranstaltung beendet.

Soweit ist es wohl mit der neuen Freiheit in Aserbaidschan noch nicht her – aber immerhin scheint sich im Anfang etwas zu tun.

Ein Boykott, wie von vielen gefordert, hätte eher das Gegenteil zur Folge.
Hoffen wir also, das auch der Auftritt von Roman Lob beim ESC 2012 und die Berichterstattung dazu, zu mehr Freiheit in Aserbaidschan beitragen werden.