Menowin Fröhlich, der DSDS-Zweite 2010 hat mit Co-Autor Enno Faber zusammen seine Lebensgeschichte geschrieben. Schon lange warten die Fans auf eine Klarstellung, zumal inzwischen von Helmut Werner das Buch „Alles außer Fröhlich“ erschienen ist. Nun hat sich der 23jährige endlich dazu entschlossen, Klartext reden, die Fakten auf den Tisch legen, Vorurteile ausräumen.

Die Gefängniszelle im Jugendknast Neudeck war inzwischen zu Menowins zweiter Heimat geworden. So schildert er es auf Seite 62 selbst in seinem Buch „Ich musste verlieren, um zu gewinnen“. Diebstahl, Betrügerein, Schlägereien – ständig war irgend etwas. Kaum war er draußen, schon war er wieder drin. Da fiel zum ersten Mal das Wort DSDS. Sein Freund Erdal meinte, er solle sich dort melden, aber er selbst habe rein gar nichts von solchen Castingshows gehalten. Alles nur Schrott.
„Menowin, wir wollen, dass du auch da hingehst. Wir sehen da echt eine Chance für dich. Und so kommst du vielleicht von deinen kriminellen Sachen weg.“
Dann sind sie doch hin. Eigentlich wollte er nur Party machen. Sie haben sich zu den Wartenden gestellt und a capella gesungen. Das gefiel den Leuten von RTL. Sie bekamen Aufmerksamkeit. Kameras und Mikrofone fingen die Stimmung ein. Dumm nur, beide waren noch nicht 18 und hatten keine Genehmigung der Eltern dabei. Man schickte sie weg, aber sie sollten unbedingt wiederkommen, mit Genehmigungen. Eine Woche später in Nürnberg waren sie wieder dabei. Die Leute von DSDS haben sie sofort wieder erkannt, Interviews mit ihnen gemacht.
Ich war gut, das war mir bewusst. Ich war besser als der Rest, das habe ich mir gesagt. Ich war der Beste. Wenn du das nicht von dir glaubst, dann hast du schon verloren.
Nachdem er „If I ever fall in love“ gesungen hatte, fiel der so gern zitierte Satz von Dieter Bohlen:
„Der liebe Gott hatte einen guten Tag, als er dir die Stimme und das Talent gegeben hat.“
Jetzt erkannte er zum ersten Mal die Möglichkeiten, die sich ihm durch DSDS boten: dies konnte ein Ausweg sein aus seinem perspektivlosen Leben, ein Lichtblick. Die Möglichkeit, dem Chaos zu entkommen, den Scherbenhaufen aus HartzIV und Jugendarrest hinter sich zu lassen. Er hatte den Recall geschafft, jetzt war es nicht mehr nur Spiel, jetzt wollte er gewinnen.
Zum Feiern gingen sie in eine Diskothek, das A9. Und hier kam es zu einer folgenschweren Schlägerei, weil ihm jemand die Sonnenbrille herunter gerissen hat.
Die Typen hat die Aktion einige Frakturen gekostet, mir brach die Sache das Genick.
Er sieht sich als „staatlich anerkannten Kriminellen“, ständig mit einem Bein im Gefängnis. Es schien sein Schicksal, sein vorbestimmter Weg zu sein. Angeblich kannte er nichts anderes als Drogen, Betrug, Gewalt. Das sei alles, was er seit seiner Kindheit gesehen hatte.
Durch seine eigenartige Liebe zur Musik glaubt er, sei er nie ganz verloren gegangen.
Es sei immer ein guter Kern in ihm geblieben. Damals habe er wohl mit einem Bein wieder im Knast gestanden, aber auch die Hand in der Tür zum Erfolg gehabt. Er wusste jetzt, es war der richtige Weg, er wollte weiter machen.
Dumm nur, dass die Produktionsfirma sein Führungszeugnis sehen wollte.
Er wusste, wie das aussah, das ging gar nicht. Er log, er habe es vergessen. Er wollte sich ändern. Unbedingt. Endlich erfolgreich sein, das alte Leben hinter sich lassen.
Er kam unter die Top 20.Er war auf der Überholspur, aber leider hatte er einen Gerichtstermin vergessen.
Den in Sachen Scheckbetrug. Am nächsten Tag erfuhr er durch eine Schlagzeile der Bild, dass er per Haftbefehl gesucht werden würde. Er fuhr nach Ingolstadt, hoffte, dass der Richter gnädig sei, ihm auf die zwei Jahre Bewährung, die er hatte, nicht noch eine Gefängnisstrafe brummte.
„Also, Herr Fröhlich, Ihre Bewährung wurde widerrufen. Sie kommen hier heute nicht mehr raus, stellen Sie sich schon mal darauf ein.“

Er habe versucht, dem Richter zu erklären, dass er nun etwas habe, für das es sich lohne zu kämpfen. Zum ersten Mal in seinem Leben gäbe es einen Hoffnungsschimmer durch diese Castingshow. Der Richter blieb hart, denn: „Herr Fröhlich, das ist mir egal, ob Sie da ein Ziel sehen oder nicht. Fakt ist, dass Sie aus der Show ausgeschieden werden können, und was dann?“
Mit sofortigem Vollzug, wegen Fluchtgefahr, kam er in den Bau, verurteilt zu 2 Jahren und 4 Monaten. DSDS war für’s erste gestorben. Die Hoffnung auf ein neues Leben auch.
Menowin spricht davon, dass er nur Drogen, Gewalt und Betrug in seiner Kindheit kennen gelernt habe. Aber was ist mit Tante Kersha? Das Buch ist voll des Lobes für sie und ihre Bemühungen, Menowin zu einem anständigen Menschen zu erziehen. Seit seinem 7. Lebensjahr lebte er bei dieser Tante, als bereits 10 Jahre. Kann man wirklich alles mit einer verkorksten Kindheit bei der Mutter – und das nur während der Vorschulzeit – entschuldigen? Er schreibt auch, dass er irgendwann nicht mehr auf die Tante hört, eigene Wege geht, nicht mehr fragt, selbst entscheidet …
Fortsetzung folgt.









